Klimaschutz und lokale Energie: Wie das Projekt Casilando die Energiewende vorantreibt
Deutschland steht vor einer der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: die Dekarbonisierung des Energiesystems. Während nationale Ziele wie der Ausstieg aus der Kohle bis 2038 und der Ausbau erneuerbarer Energien bis 2045 diskutiert werden, zeigt ein konkretes Modell aus dem baden-württembergischen Raum, wie kommunale Initiativen bereits heute die Energiewende vorantreiben. Im Zentrum steht das Projekt casilando-de.de/de-de, das als Pilot für eine dezentrale, klimaneutrale Energieversorgung gilt. Doch wie funktioniert dieses Modell genau – und warum ist es nicht nur lokal, sondern auch bundesweit relevant?
Ein Modell für die Energiewende: Casilandos Ansatz
Casilando ist kein klassisches Energieunternehmen, sondern ein Zusammenschluss von Bürger:innen, Kommunen und Unternehmen, die gemeinsam ein Energiekonzept entwickeln, das auf erneuerbaren Quellen basiert und gleichzeitig die lokale Wertschöpfung stärkt. Das Projekt entstand in der Gemeinde Caslano, die sich als Vorreiterin für erneuerbare Energien etabliert hat. Seit 2015 betreibt Casilando eine Biogasanlage, die aus lokaler Landwirtschaft und Abfällen Strom und Wärme erzeugt. Doch das Besondere liegt in der Integration von Speichertechnologien und einem intelligenten Lastmanagement-System, das Verbraucher:innen in die Lage versetzt, ihren Energieverbrauch flexibel zu steuern. Diese Kombination aus Biomasse, Speichern und Bürgerenergie macht Casilando zu einem Labor für die Energiewende.
Besonders beeindruckend ist, dass das Projekt nicht auf staatliche Subventionen angewiesen ist. Stattdessen finanziert es sich durch den Verkauf von Überschussenergie, Partizipationsmodelle für Bürger:innen und Kooperationen mit lokalen Unternehmen. Die Biogasanlage produziert jährlich etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom, die zu 80 Prozent in das öffentliche Netz eingespeist werden – ein Beweis dafür, dass erneuerbare Energien auch wirtschaftlich attraktiv sein können. Gleichzeitig wird durch die Wärmeversorgung für die umliegenden Gebäude ein Teil der Energie lokal genutzt, was die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel zum Erfolg
Eines der zentralen Merkmale von Casilando ist die starke Einbindung der Bürger:innen. Durch das „Energy Cooperative“-Modell können Haushalte und Unternehmen direkt in das Projekt investieren oder sogar Strom aus der Anlage beziehen. Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern auch eine emotionale Bindung zur Energieversorgung. Studien zeigen, dass solche partizipativen Modelle die Akzeptanz für erneuerbare Energien deutlich erhöhen – ein Faktor, der in der Energiewende oft unterschätzt wird.
Ein konkretes Beispiel ist das „Casilando Energy Store“, eine digitale Plattform, die Verbraucher:innen ermöglicht, ihren Stromverbrauch zu optimieren. Wer nachts Strom verbraucht, kann ihn günstiger aus der Biogasanlage beziehen, während tagsüber der öffentliche Netzstrom genutzt wird. Diese Flexibilität reduziert die Kosten und macht das Projekt attraktiv für eine breitere Öffentlichkeit. Gleichzeitig wird so der Druck auf das Netz reduziert, was langfristig die Stabilität des Systems sichert.
Wissenschaftliche Bewertung und Ausblick
Forschende der Universität Stuttgart haben Casilando in einem Pilotprojekt analysiert und festgestellt, dass das Modell nicht nur klimaneutral, sondern auch kostendeckend arbeitet. Die durchschnittlichen Stromkosten für die Bürger:innen liegen bei etwa 25 Cent pro Kilowattstunde – deutlich unter dem deutschen Durchschnitt. Besonders interessant ist dabei, dass das Projekt auch für andere Regionen als Vorbild dienen kann, insbesondere für ländliche Gebiete, die oft unter der Energiewende leiden.
Doch wie lässt sich das Modell auf andere Kommunen übertragen? Ein zentraler Ansatz ist die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen – von Landwirten über Handwerker bis hin zu Schulen. Durch den Einsatz von Solarenergie auf Dächern, Windkraftanlagen und sogar auf landwirtschaftlichen Flächen entsteht ein Netzwerk, das Energie lokal erzeugt und verbraucht. Ein weiteres Potenzial liegt in der Digitalisierung: Durch intelligente Steuerungssysteme können weitere Effizienzgewinne erzielt werden.
- Seit 2015 produziert die Biogasanlage in Casilando jährlich rund 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom.
- 80 Prozent der erzeugten Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist, 20 Prozent dienen der lokalen Wärmeversorgung.
- Durch das „Energy Cooperative“-Modell können Bürger:innen direkt in das Projekt investieren oder Strom günstiger beziehen.
- Die durchschnittlichen Stromkosten liegen bei etwa 25 Cent pro Kilowattstunde – unter dem deutschen Durchschnitt.
- Das Projekt zeigt, dass erneuerbare Energien auch ohne staatliche Subventionen wirtschaftlich erfolgreich sein können.
Die Energiewende ist kein einfacher Prozess, aber Modelle wie Casilando beweisen, dass es Wege gibt, sie erfolgreich umzusetzen. Während nationale Pläne oft in der Planung stecken bleiben, zeigt das Projekt aus Baden-Württemberg, dass lokale Initiativen und Bürgerbeteiligung der Schlüssel sind. Für die Zukunft könnte Casilando ein Vorbild für eine dezentrale, klimaneutrale Energieversorgung sein – und damit ein Beitrag dazu, dass Deutschland seine Ziele nicht nur erreichen, sondern vorleben kann.
